Orakel des Lebens

Babett Wallek


Ich suchte vergebens
Nach deinem Sinn,
Kam nicht zu dir hin.

Deine Seelen-Blüte,
So dacht´ ich,
Liegt in der Welt,
Die die Sonne erhellt.

Was mein Aug´ erblickte,
Konnt´ mich kaum berühren,
Dein Wesen im Außen zu spüren,
Wenn ich mich anschickte,

Dich in deiner Gänze zu erfassen,
Glich einem Wühlen im Äther,
Wirkte nach trunkenem Täter,
Nach gefrorenem Spiegel und Massen

Verdörrter Gedankenblasen,
Die´s Grün stahlen von Rasen,
Blatt und Baum -
Ohne Wurzel, ohne Raum.

Was, wenn mein Ich nun fällt,
Hinein in Raum und Welt?
Wenn mein Geist
Als spürend Ich erwacht -

Und all gehemmte
Lebenskraft entfacht?
Was, wenn ich mich
stellte, in meine Natur?

Wenn das Leben selbst
Mich wählte, damit ich seh´
Was ich bin - auf Füßen steh´
Mit Kraft und Kultur:

Als Tänzer an der Schwelle,
Als Hirte der Wagnis,
Ein Wanderer auf den Spuren
Des Lichtes im Hades.

Wäre mein Ich dann reicher?
Wäre alles Leben leichter,
Weil der Weg sichtbar,
Und all die Dämonen lichter?

Ist denn nicht Prüfung
Schon Entlohnung genug?
Entzieht sie dem Weltenlaufe,
Nicht ihren Hohn und Betrug?

Gibt denn nicht Prüfung
Alles, was unser Geist sich je erringt –
Ja, was er am Ende
Auch mit sich nimmt?


Die gesamte Ausgabe 9 /2008 V1 gibts hier als PDF.


Über die Autorin


Babett Wallek faszinierte von jeher die Kunst der Bewegung, was sie dazu bewog, Sportwissenschaften zu studieren. Ihr ganzer Erkenntnisweg schließt das Schreiben als Prozess mit ein, und das ist eigentlich das Wesen ihrer schriftstellerischen Qualitäten. Das Leben von Babett Wallek aus Dortmund gestaltet sich daher außerordentlich vielfältig.


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